Währungen sind Risiko und Diversifikator zugleich

Richtige Aktie, falsche Währung?

Das Jahr 2025 war für viele europäische Anleger ein Jahr der Überraschungen. Die US-Börsen stiegen auf neue Rekordstände, die Gewinne vieler amerikanischer Unternehmen legten deutlich zu – und dennoch fiel die Rendite für Euro-Investoren enttäuschend aus. Der Grund lag nicht unbedingt in der Auswahl der Aktien, sondern in der Währung: Der US-Dollar verlor im Jahresverlauf über zehn Prozent gegenüber dem Euro, was die eigentlichen Kursgewinne zunichtemachte. 2025 verwandelte so ein starkes Jahr an der Wall Street in ein eher mageres Jahr im europäischen Depot.

Warum der Dollar unter Druck geriet

Auslöser der Dollar-Schwäche war weniger eine wirtschaftliche Schwäche der USA als vielmehr ein politischer Schock. US-Präsident Donald Trump erklärte im Frühjahr seinen sogenannten „Liberation Day“ und kündigte dabei umfassende Strafzölle gegen zahlreiche Handelspartner an – darunter auch die EU und China. Diese Drohungen eines globalen Zollkonflikts waren für viele internationale Investoren ein Warnsignal. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch wachsende Sorgen über die rapide steigenden US-Staatsschulden infolge der neuen Steuerprogramme. Die Angst vor einem Rückschlag im Welthandel, höheren Preisen und einer politisch motivierten Wirtschaftspolitik führte zu deutlichen Kapitalabflüssen aus dem Dollar.

Wie umgehen mit Währungsrisiken?

Auch wenn insbesondere die ersten Monate des Jahres für Euro-Anleger mit US-Dollar-Investments herausfordernd waren, wäre es voreilig, daraus den Schluss zu ziehen, künftig nur noch in der Heimatwährung zu investieren. In einer Welt, die von geopolitischen Machtverschiebungen, Handelskonflikten und wirtschaftlicher Neuordnung geprägt ist, kann eine einseitige Fokussierung auf den Euroraum schnell zum nächsten Risiko werden. Globale Märkte bieten langfristig attraktive Diversifikationschancen – doch wer international investiert, muss sich auch mit den Folgen von Wechselkursen auseinandersetzen. Es gibt verschiedene Wege, mit diesen Währungsrisiken umzugehen:

  1. Nur im eigenen Währungsraum investieren: Wer ausschließlich in Euro-Anlagen investiert, eliminiert das Wechselkursrisiko vollständig – die Erträge hängen dann nur von der Entwicklung der zugrundeliegenden Wertpapiere ab. Das schafft kurzfristig Stabilität, bedeutet aber den Verzicht auf internationale Chancen. Gerade in der aktuellen Börsenlandschaft, in der Innovation und Technologiefortschritt die globalen Märkte antreiben, würde eine reine Euro-Strategie die Perspektive stark verengen.
  2. Global investieren, aber Währungsrisiken absichern: Eine zweite Möglichkeit besteht darin, die Chancen globaler Märkte zu nutzen, Fremdwährungsrisiken aber gezielt abzusichern – etwa über Devisentermingeschäfte oder Fonds mit integrierter Absicherung. Diese Variante kann kurzfristige Schwankungen reduzieren, ist jedoch nicht kostenlos: Die Absicherungskosten ergeben sich aus den Zinsunterschieden zwischen den Währungsräumen und lagen hinsichtlich des US-Dollar zuletzt meist bei ein bis zwei Prozent pro Jahr. Gleichzeitig entfallen durch die Absicherung mögliche Währungsgewinne, etwa wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verliert.
  3. Global investieren, ohne Absicherung: Wer Währungsrisiken bewusst zulässt, spart diese Kosten und profitiert, wenn der Euro schwächer wird. Das Portfolio enthält dann zwei Renditequellen – die Entwicklung der Anlage selbst und die der Währung. Kurzfristig kann das die Schwankungen erhöhen, langfristig gleichen sich viele Bewegungen jedoch aus. Währungen wirken dabei oft als zusätzlicher Diversifikationsfaktor, weil sie sich unabhängig von Aktien- und Anleihemärkten bewegen. So kann offenes Währungsengagement langfristig sogar stabilisierend wirken.

Warum die Strategie von der Anlageklasse abhängt

Auch wenn die Frage der Währungsabsicherung immer eine individuelle Entscheidung bleibt, lassen sich aus der institutionellen Praxis einige Prinzipien ableiten, die bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein können. Grundsätzlich gilt: Je stärker ein Investment ohnehin schwankt, desto eher kann ein offenes Währungsrisiko als zusätzlicher Diversifikationsfaktor dienen.

Bei Aktien wird daher in der institutionellen Praxis häufig auf eine Währungsabsicherung verzichtet. Aktienmärkte schwanken naturgemäß stärker, und Währungen können diese Schwankungen teilweise abfedern. Fällt jedoch z.B. der US-Dollar, profitieren US-Exporteure, deren Produkte im Ausland günstiger werden. Ihre Gewinne steigen, was die negativen Währungseffekte für internationale Anleger teilweise kompensiert. Viele professionelle Investoren lassen deshalb ihre Aktieninvestments ungesichert, um eine breite Streuung über Regionen, Branchen und auch Währungen zu bewahren – ohne zusätzliche Absicherungskosten.

Im Anleihebereich hingegen steht die Stabilität im Vordergrund. Die Schwankungen von Wechselkursen sind meist deutlich größer als die der meisten Zinspapiere. Deshalb werden Anleihen im institutionellen Umfeld häufig in der Heimatwährung gehalten oder Fremdwährungsanleihen währungsgesichert. So bleibt der defensive Charakter dieser Anlageklasse erhalten.

Währungen als Baustein der Risikostreuung

Was 2025 vielen Anlegern schmerzhaft bewusst wurde, ist zugleich eine wichtige Lehre: Währungen sind Risiko und Diversifikator zugleich. Wer nur im Euroraum investiert, vermeidet kurzfristige Schwankungen, setzt aber alles auf eine Karte – die wirtschaftliche und politische Entwicklung Europas. Wer global investiert, verteilt sein Vermögen auf verschiedene Währungsräume und Wirtschaftssysteme und macht sich unabhängiger von lokalen Schocks, sollte aber auf eine durchdachte Risikostreuung setzen.

In einer Zeit, in der sich geopolitische Machtverhältnisse verschieben, Bündnisse fragiler werden und neue Wirtschaftszentren entstehen, ist Währungsdiversifikation kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Niemand weiß, welche Währung in zehn oder zwanzig Jahren an Stärke gewinnt – aber sicher ist: Ein breit gestreutes Portfolio bleibt die verlässlichste Antwort auf eine unsichere Welt.

Dieser Artikel wurde ebenfalls in der Sonderbeilage zum 9. Münsterländischen Vermögenstag der Westfälischen Nachrichten am 07.11.2025 veröffentlicht.

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