Der Markt für Unternehmenstransaktionen gleicht seit der Corona-Krise einer Achterbahn. Wie sich die Bedingungen 2024 stabilisiert haben, welche Herausforderungen hohe Finanzierungskosten mit sich bringen und welche Chancen sich für Unternehmer, Investoren und M&A-Profis 2025 ergeben – all das erfahren Sie im nachfolgenden Blogbeitrag der BAUER Vermögensverwaltung.
Executive Summary:
- M&A-Markt erholt sich langsam: Nach einem starken Rückgang der Aktivitäten ab 2022 zeigen die Transaktionen in 2024 Anzeichen einer Stabilisierung.
- Bewertungen auf niedrigem, aber stabilem Niveau: Das durchschnittliche EV/EBITDA-Multiple liegt global bei ca. 9, etwa 25 % unter den Höchstständen von 2021.
- Langfristige Finanzierung könnten teuer bleiben: Trotz sinkender Leitzinsen könnten Inflationssorgen und steigende Risikoaufschläge die Finanzierungskosten erhöht halten.
- Strategische Vorbereitung unerlässlich: Käufer müssen ihre Strategien an das anspruchsvolle Zinsumfeld anpassen, während Verkäufer ihre Geschäftsmodelle auf weiterhin hohe Finanzierungskosten vorbereiten sollten.
Die Zinsanhebungen der letzten Jahre haben den globalen M&A-Markt erheblich belastet. Gestiegene Finanzierungskosten und wirtschaftliche Unsicherheiten führten ab 2022 zu einem deutlichen Rückgang der Transaktionsaktivitäten. Viele Deals gerieten ins Stocken oder wurden unter stark veränderten Bedingungen abgeschlossen. Gleichzeitig sanken die Bewertungen signifikant, da Käufer die höheren Finanzierungskosten in ihren Angeboten einpreisten. Insbesondere Europa verzeichnete dabei stärkere Einbußen als die USA.

Doch es gibt Anzeichen für eine Erholung: Im Jahr 2024 hat sich die M&A-Aktivität im Vergleich zum Vorjahr zunehmend stabilisiert. Allmählich sinkende Finanzierungskosten, die z. B. durch den zunehmenden Wettbewerb zwischen Banken und Private-Credit-Anbietern unterstützt werden, tragen im Quartalsvergleich zu einer vorsichtigen Belebung des Marktes bei. Obwohl die Bewertungen globaler M&A-Deals laut PitchBook mit einem durchschnittlichen EV/EBITDA-Multiple (Unternehmenswert im Verhältnis zum operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 9 etwa 25 % unter den Höchstständen von 2021 liegen, hat sich diese Entwicklung ebenfalls stabilisiert.
Trotz dieser positiven Signale bleibt der Druck auf die Finanzierungskosten hoch, insbesondere bei langfristigen Transaktionen oder riskanteren Deals. Die weitere Zinsentwicklung nimmt somit eine besonders hohe Rolle in der strategischen Vorbereitung auf eine Transaktion ein.
Wieso sind die Zinsen so wichtig für den M&A-Markt?
Das Zinsniveau ist ein zentraler Faktor für den Markt von Unternehmensübernahmen und -fusionen, da es die Kosten für die Finanzierung solcher Deals maßgeblich bestimmt. Viele Übernahmen werden durch Fremdkapital finanziert, also durch geliehenes Geld von Banken oder durch die Ausgabe von Anleihen. Wenn die Zinsen steigen, werden solche Finanzierungen teurer, was sich direkt auf die Kaufpreise und die Attraktivität von Deals auswirkt.
Für Käufer bedeutet das: Höhere Finanzierungskosten reduzieren die mögliche Rendite einer Übernahme. Um diesen Effekt auszugleichen, bieten Käufer oft niedrigere Preise für die Unternehmen, die sie erwerben möchten. Verkäufer stehen dann vor der schwierigen Entscheidung, diese niedrigeren Preise zu akzeptieren oder den Verkauf zu verschieben – in der Hoffnung auf bessere Marktbedingungen. Es besteht aber auch das Risiko, dass ein Deal ganz scheitert, wenn sich Käufer und Verkäufer nicht auf einen Preis einigen können.
Die Kosten für Fremdkapital hängen dabei von mehreren Faktoren ab. Erstens vom Leitzins, den Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder die US-Notenbank (Fed) festlegen. Dieser Zinssatz beeinflusst, wie teuer es für Banken ist, selbst Geld zu leihen, und bestimmt damit auch die Zinsen, die sie an Unternehmen weitergeben. Zweitens spielt die Zinsstrukturkurve eine Rolle, also die Entwicklung der Zinssätze für Kredite mit unterschiedlicher Laufzeit. Normalerweise sind langfristige Kredite teurer als kurzfristige. Drittens kommen die sogenannten Credit Spreads hinzu. Das sind zusätzliche Finanzierungskosten – eine Art Risikoprämie, die Unternehmen zahlen müssen, wenn sie sich Geld leihen. Diese Spreads spiegeln das Risiko wider, das Investoren oder Banken einem Unternehmen zuschreiben. Da Unternehmen in der Regel höheren Risiken ausgesetzt sind als Staaten oder Banken, verlangen Kreditgeber einen Aufschlag auf den Leitzins. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn der Leitzins niedrig bleibt, können hohe Credit Spreads die Gesamtkosten für die Finanzierung deutlich erhöhen.
Wie haben sich die Finanzierungskosten im Jahr 2024 entwickelt?
Im Jahr 2024 senkten führende Zentralbanken weltweit, darunter die EZB und die Fed, schrittweise die Leitzinsen, um die wirtschaftliche Aktivität zu stützen und die Inflation auf einem nachhaltigen Niveau zu halten. Trotz dieser Lockerungsmaßnahmen blieben die Kosten für langfristige Finanzierungen in vielen Fällen hoch. Dies war vor allem auf anhaltende Inflationssorgen zurückzuführen, die Kreditgeber dazu veranlassten, trotz Senkungen der Leitzinsen höhere Zinsen für langfristige Finanzierungen zu verlangen, um befürchtete Kaufkraftverluste auszugleichen. um befürchtete Kaufkraftverluste auszugleichen.
Die Risikoprämien für Unternehmenskredite und -anleihen, die sogenannten Credit Spreads, blieben hingegen global auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Dies lag an mehreren Faktoren: Die hohe Nachfrage von Investoren nach Unternehmensanleihen, angetrieben durch die Suche nach stabilen Renditen, drückte die Spreads. Gleichzeitig überzeugten viele Unternehmen mit robusten Bilanzen, da sie sich frühzeitig auf mögliche wirtschaftliche Abschwächungen vorbereitet hatten. Dieses solide finanzielle Fundament stärkte das Vertrauen der Investoren und reduzierte die Risikoprämien. Zudem verlagerte sich ein wachsender Anteil der riskanteren Kreditvergaben in den boomenden Private-Credit-Markt, was den öffentlichen Anleihemarkt entlastete und dazu beitrug, die durchschnittlichen Spreads niedrig zu halten.
Insgesamt führten die ersten Zinssenkungen 2024 zwar zu einer Entspannung bei kurzfristigen Finanzierungen, doch die Kosten für langfristige Finanzierungen blieben durch die beschriebenen Marktmechanismen auf einem insgesamt hohen Niveau.
Was erwarten wir im Jahr 2025?
Im Jahr 2025 werden die Zentralbanken weiterhin daran arbeiten, die Inflation auf das angestrebte Ziel von etwa 2 % zu senken. Dieses Vorhaben erfordert ein vorsichtiges Vorgehen, da einerseits die Leitzinsen nur langsam gesenkt werden dürften, da sich sowohl in den USA als auch in Europa die aktuellen Zinssätze bereits dem Zielniveau nähern. Andererseits muss die Absenkung der Zinsen schnell genug erfolgen, um eine zu starke Abkühlung der Wirtschaft zu vermeiden, die weiterhin durch hohe Zinskosten belastet wird.
Dennoch könnte selbst eine Senkung der Leitzinsen nur begrenzt zu niedrigeren Finanzierungskosten führen. Langfristige Zinsen, die für viele M&A-Deals entscheidend sind, könnten aufgrund der Sorge vor einer anhaltend erhöhten Inflation hoch bleiben. Kreditgeber verlangen in diesem Szenario höhere Renditen für langfristige Finanzierungen, um potenzielle Kaufkraftverluste abzusichern. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die derzeit niedrigen Risikoprämien, die sogenannten Credit Spreads, ansteigen. Diese Spreads, die die zusätzlichen Kosten für Unternehmenskredite und Anleihen abhängig vom wahrgenommenen Risiko eines Unternehmens widerspiegeln, könnten sich im Falle einer wirtschaftlichen Abkühlung ausweiten. Kreditgeber fordern in solchen Situationen höhere Prämien, um mögliche Ausfallrisiken abzufedern.
Damit entsteht eine Dynamik, bei der fallende Leitzinsen durch steigende Credit Spreads neutralisiert werden könnten. Unternehmen, die auf Fremdkapital für Übernahmen oder Investitionen angewiesen sind, würden trotz der Zinssenkungen der Zentralbanken weiterhin mit hohen Finanzierungskosten konfrontiert sein. Für M&A-Deals, die in der Regel langfristige Finanzierungen erfordern, bedeutet dies, dass das aktuelle Zinsniveau in der Praxis kaum spürbar sinken könnte.
Zusätzlich wird dieses fragile Gleichgewicht durch geopolitische Unsicherheiten belastet. Der Amtsantritt von Donald Trump in den USA könnte neue inflationäre Impulse setzen, etwa durch protektionistische Maßnahmen und steigende Staatsausgaben. Solche Entwicklungen könnten nicht nur das Tempo der Zinssenkungen bremsen, sondern auch die Credit Spreads weiter anheben, da Investoren mit zusätzlichen Risiken rechnen. Unternehmen müssen sich daher auf ein Finanzierungsumfeld einstellen, in dem die Belastung durch hohe Zinsen auch bei sinkenden Leitzinsen anhalten könnte.
Was bedeutet das für den M&A-Markt?
Für Unternehmer und Unternehmen, die im M&A-Markt aktiv sind – sei es auf Käufer- oder Verkäuferseite – bedeutet dieses komplexe Zinsumfeld, dass strategische Planung wichtiger denn je wird. Käufer müssen sich darauf einstellen, dass die Finanzierungskosten trotz möglicher Leitzinssenkungen erhöht bleiben könnten, da langfristige Zinsen und steigende Risikoprämien die Gesamtkosten für Kredite oder Anleihen weiterhin belasten könnten. Vor allem Geschäftsmodelle, die stark auf günstiges Fremdkapital angewiesen sind – etwa durch hohe Verschuldung oder aggressive Wachstumsstrategien – könnten in diesem Umfeld unter Druck bleiben. Dies reduziert den finanziellen Spielraum und erhöht den Druck, bei Übernahmen besonders sorgfältig auf die Wirtschaftlichkeit und mögliche Synergien zu achten.
Verkäufer hingegen stehen vor der Herausforderung, dass potenzielle Käufer aufgrund der anhaltend hohen Finanzierungskosten möglicherweise niedrigere Angebote machen, um die eigenen Margen zu sichern. Dies könnte dazu führen, dass Unternehmen zu geringeren Bewertungen verkauft werden oder Transaktionen länger dauern, weil Käufer und Verkäufer Schwierigkeiten haben, sich auf einen Preis zu einigen. Eine realistische Bewertung des eigenen Unternehmens und die Bereitschaft, in Verhandlungen flexibel zu bleiben, werden hier entscheidend sein. Gleichzeitig sollten Verkäufer berücksichtigen, dass die Finanzierungsspielräume potenzieller Käufer begrenzt sind und es daher ratsam ist, die Attraktivität des eigenen Geschäftsmodells für ein Umfeld mit höheren Finanzierungskosten zu stärken.
Insgesamt bleibt der M&A-Markt für beide Seiten anspruchsvoll. Fremdkapital könnte weiterhin teuer bleiben, besonders bei langfristigen Finanzierungen oder für riskantere Transaktionen. Unternehmer sollten daher frühzeitig ihre Finanzierungs- und Verkaufsstrategien an die aktuellen und erwarteten Zinsbedingungen anpassen, um ihre Position zu stärken und Chancen effektiv zu nutzen. Dies umfasst auch eine kritische Prüfung des Geschäftsmodells, um sicherzustellen, dass es in einem Umfeld mit dauerhaft höheren Zinsen tragfähig bleibt. Eine sorgfältige Marktbeobachtung und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Beratern können dabei helfen, die Herausforderungen des Zinsumfelds in Vorteile umzuwandeln.
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